Chaos Homeoffice Telefon der Chef

Es gibt Menschen, die bestrebt sind, andere für sich arbeiten zu lassen. Jetzt erstrecht, denkt Leo, niemand sieht mehr, wer an welchem Tisch sitzt in diesem Chaos, in diesem meinem Homeoffice, Telefon. Der Chef. Leo habe noch nicht geliefert. Leo ruft aufgewühlt, erschreckt und leicht erzürnt.

„Ich sehe nicht ein, dass ich mehr arbeiten soll als Ludger, ich habe mehr als hundert Überstunden.“

„Ich brauch deine Zuarbeit aber heute, nicht erst in hundert Stunden.“

„Wieso aber ist das alles auf den letzten Drücker? Ihr wisst das doch nicht erst seit gestern?“

„Soll ich dich jetzt an den Haaren durchs Telefon auf meinen Tisch zerren, damit du siehst, was hier los ist? Ich erwarte bis morgen früh die Änderungen, hast du mich verstanden?“

„Dann schmeiß mich endlich raus, wenn‘s dir besser geht dabei, ich schaff euer mieses Timing nicht mehr, bin ich eben tot in zwei Tagen, was sagst du dann?“

  • Aufgelegt

der Leo wieder

Zwei Tage später. Das Schleichen um die Frage wer hat wen missverstanden beginnt. Am besten wir schweigen das und warten, bis der Groll durch einen weiteren überlagert ist. Der Ludger ist im Urlaub. Leo arbeitet durch und wird zwei Stunden früher fertig als erwartet. Behält das lieber für sich.

Chef dagegen sitzt wieder im Flugzeug. Wo doch jeder hier im Flugzeug sitzt, denkt Chef beim Anblick der anderen Fluggäste. Das Handy ruht. Er kann endlich seinen Vietnam-Roman lesen. Darin von einem geschrieben steht, der alles von zwei Seiten betrachtet. Die amerikanische wie die vietnamesische.

Er hier aber ist der Chef aus Berlin und könnte von der Zeit der Missverständnisse vor der Wiedervereinigung sprechen. Es blickten sie damals auch auf zwei Seiten der Medaille. Daraus wurden mehr als zwei Medaillen. Damals, ja damals. Da schwammen wir noch um die Wette, lacht er in sich hinein. Jetzt sitze ich mit einem Buch im Flieger und fühle mich vom Sitznachbarn bedrängt.

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