Intellekt – sag Mal Bums zum Doktor

In den Neunzigern gab es ihn noch – es war Phantasie im Markt – inzwischen sind es Verteilungskämpfe

Intellekt

Textverdünner Haushaltsmittel und Warteschleifen.

Intellekt ist, was andere als Abwehrmaßnahme benötigen, ein Schimpfwort. Intellekt – das ist aus dem Lateinischen und bedeutet Erkenntnisvermögen, Einsicht und Verstand. Ein Schimpfwort? Ein Wort, das heute Abgehobenen zugeschrieben wird, ein Wort, das dich vom Geist erzürnt erscheinen lässt, wenn man dich so betitelt – ein Wort, das zwischen Robert und mir nicht selten fiel, um sich zu entschuldigen dafür, dass nicht selten Lustlosigkeit gepaart mit Arroganz und Überheblichkeit zwischen uns stand, er der Intellekt, ich der Gefühlsmensch. Noch ein Schimpfwort, wenn du so willst. Beschimpfen sich zwei und verlieren ihre Contenance. Schlägerei im Pratergarten, angezettelt von Olle Ludger. Der sich zwischen uns stellte und beiden an der Nase zog.

Viele Worte – wenig Assoziation – oder Zwischenraum und Landurlaub. Oder Essensgeruch und Soundblaster.

Oder das Gezimbel auf den Instrumenten der Studenten hat das Gezimbel auf den Instrumenten der Studenten zur Folge. Weil alle denken, das Gezimbel der Studenten ist des Studenten Notwendigkeit, um dem Gezimbel der Nichtstudenten nicht erst zuhören zu müssen. Wenn zwei akustisch so zusammen – rumzimbeln.

Sprich mit mir Professor Oberschlau.

Roberts ineinander verwobene Skizzen erzeugen eine eigene Stärke − ich vermisse weder weitere Ausführungen noch Ausschmückungen − wie von allein bauen sich die eigenen Bilder dazu − ich sehe verkorkste Momente einer Biografie − wie eine dichte und komprimierte innere Welt − wo man sich liebt und doch voneinander lassen muss − was vergeblich Halt in der Wirklichkeit sucht.

Dafür gibt es keine Lösung − es kommt auf das Arrangement an − in Bild und Sprache. Die Verleugnung der Born auf der einen, schließlich die Verleugnung der Elena gegen sich, denn Elena heißt Hunger − Hunger nach was?

Die Selbstverleugnung wird ihr zum Verhängnis, eines Tages, als Rainer beschließt, den Laden zu verlassen − weil er es nicht mehr aushält − sogar dafür hat Elena Verständnis − kämpft nicht mal − lässt es geschehen. Wir sehen Rainer seinen Berliner Familienalltag bewältigen, er plant eine Reise nach Afrika. Wir sehen Siggi und Morgan, ebenso Stich und Locher sich kaum Gedanken machen um das, was alle angeht.

Die heilige IT. Die ja, wie gesehen, eine Art Flohzirkus ist. Wir sehen einen Gunar, der sich an Elena als Geschäftsführerin ranschmeißt und bald sehen wir auch, wie Rainer unter der Brücke landet − wie ein Fluch auf allen Figuren, ein Dämon, eine Last − sie sind nicht frei. Sie kämpfen nicht − sie verspiegeln und verleugnen sich lieber, und wo es nötig wird, macht man, was man will, bei aller Anmut, Grazie, Vollkommenheit und hoher Erwartung: ausgerechnet wo der junge Gunar Rainer abschaffen geht, heißt es:

den Menschen um uns herum mit dem Blick der absoluten Toleranz zu begegnen, und man soll sich mal nicht anmaßen, vollkommen zu sein. Es tauschen Sittlichkeit und Anspruch ihre Plätze mit Wirklichkeit und Hintertreibung − eine Zerreißprobe, die keine der Figuren wirklich meistert.

Selbst Elenas kleiner Schöneberger Kiez erscheint fragil, irgendwie künstlich, puppenstubenartig und so provinziell wie Warnemünde − dort wo die Langeweile ehrlich ist. Trotzdem, die Figuren wirken nicht echt − nicht authentisch − in ihrer Fragilität und Unsicherheit bei aller Unausgeglichenheit nicht glaubwürdig und stimmig − Rainer weiß es nicht besser:

Ausschnittsweise begebe ich mich auf die Spuren meines Textes.

Und biete an, was sie mir in ihrer Copy & Paste Manie bitte gerne entwenden können. Sie werden es nie auf meinen Sound heruntergebrochen bekommen.

Elena war Jahre lang sein Chef, plötzlich wird sie zum Gegner. Siggi war ebenso lang eine Art Familienoberhaupt, plötzlich wirkt er wie ein bettlägriger Häuptling. Haubold hat ziemlich viel Pfeffer, scheint in eine Art Misanthropenrolle hineinzuwachsen, die es pro Office offenbar weltweit mindestens einmal zu besetzen gilt: Die des zynischen Zwischenrufers. Im Fernsehen als Satire bekannt. Oder als Pilz verschrien. Zähes Leder, hatten wir.

Das scheint Elena zu bedrücken, bei ihr aber wissen wir weder vor noch zurück, es scheint Schausteller einer Sorge und des Bedrücktseins zu geben, die bei Bedarf eine Requisite unterm Hemd versteckt halten, auf die sie drücken, wenn es schwierig wird, oder notwendig. Die eine Träne mehr oder weniger. All die bedrückenden und beklemmenden Szenen, auch in der beschaulichen Scheinwelt eines verträumten und zurechtgelogenen Glücks kann man gut übertragen auf Alltagsszenen − selbst wenn man von der Träne absieht: die Fallen bleiben die gleichen − das Drama latent:

wer schwarz weiß denkt und glaubt − wird schwarz weiß oder falsch richtig bekommen.

Du hast kein Power-Word in deinem Titel. Power Sex ! Soll ein Power Word sein. Was ein Gewirr. Komme trotzdem nur auf 85 von 100 Punkten. Für die 100 Punkte soll ich mir künstlichen Intellekt hinzukaufen. Schöner neuer künstlicher Intellekt. Wir wollen nur, dass du noch besser wirst. Besser als wer? Sehen doch, wohin das führt. Auf die Parkbank und vermute neben mir sitzend noch einen Intellekt.

Ich soll noch ein Inhaltsverzeichnis verwenden. Bitte.

BlunatekTrollsoloVerhoovensjazzClemens Verhooven