Schreiben

Ist wie Saxophon spielen, am Ende einer Sequenz weißt du nicht, was du sagen wolltest und spielst weiter

Ist wie Kontrabass spielen, die anderen sorgen für Höhepunkte, du hälst die Linie

Ist wie Schlagzeug spielen, du treibst und rhythmisierst, die anderen warten auf dich

Ist wie Klavierspielen, du prügelst die Arpeggien und Triolen und endest wieder und wieder in einem Dur oder Moll – in beiden Tonarten suchst du den Zwischenton

Ist wie Geige spielen, du möchtest allen Melancholikern danken für ihre Tiefen und wunderst dich, dass auch im höchsten Ton noch klagende Wehmut steckt – eine Geige klang singend – und klagend

Ist wie Orgelei – wenn sich die Volumen im Deckengewölbe festsetzen

Ist wie Dirigieren eines vielstimmigen Chors und du weißt nicht, ob du die Dissonante beibehalten sollst oder verbannen

Ist Blätterrascheln

Ist eine ebenso zweckfreie Handlung wie Musizieren, wenn dir eine Passage glückt, willst du sie wiederholen

Ursprünglich wollte ich sagen: Schreiben ist wie Jazz machen – Jazz machen im Sinn von: selbst wenn du den Quintenzirkel nicht beherrschst, kann dir etwas wie ein Versprechen erscheinen | eh du Realist wirst

Ist wie ein Arrangement mit der Disharmonie im Hamoniegebilde – manche Passagen kannst du hundertmal wiederholen, bis du merkst, dass du dich befreien solltest von den Konventionen im Orchestergraben

Schreiben
Musik ist wie Schreiben ohne Worte

Blunatek – Trollsolo – Verhoovensjazz – Clemens Verhooven