Geschmeichelte
Geschmeichelte

Geschmeichelte

Schmeicheleien

Die Sache ist nicht mehr zu beschreiben. Die Sache an sich ist eh nicht nur Sache. Haust du einen Text raus, in dem es um den Zustand der eigenen Stimmungslage geht, kannst du zu neunzig Prozent davon ausgehen, dass er dir später unangenehm aufstößt

Feststellbar viele Journalisten dort sich entlang ihrer vermeintlichen Klientel verbiegen. Wenig überzeugend auch die sich ihren Wählern und Wählerinnen Andienenden.

Jetzt wird zurückgelacht. Wo wir schon dabei sind

Stellt euch das mal vor: ich erfinde eine Geschichte, und ihr glaubt, euch darin wiederzuerkennen, wo kommen wir da hin.

Jetzt brauchen wir noch die Version von Gunar, von Elena und die von Siggi – am Ende der Geschichte gehen alle spazieren und gut ist – durch die Birkenwälder des Umlands, oder die Spree entlang, soviel ich weiß, gibt es die noch, auch die Stadt soll noch bewohnt sein von all denen, die damals so fröhlich waren und ihren Berufsalltag mit dem Besuch eines Kinderladens verwechselten, inzwischen dürfte sich das gedreht haben, die Rückenschmerzen überwiegen oder die Angst, dass sich hier jemand infiziert im Konzert oder dort beim Fußball, in der Kneipe oder beim Einkaufen – manche reißen gleich alle Zelte ab und wandern einfach aus, ohne Bescheid zu geben – der Ludger zum Beispiel. Lang nichts gehört oder gesehen vom Ludger. Punkt.

Wollen endlich anfangen mit meiner Version der Geschichte – obwohl auch die Versionen von Gunar, Siggi oder Elena nicht ohne sind – merkst du es? Ich habe Lampenfieber wie vor einem Konzert. Konnte so lange nicht mehr mit euch zusammen üben, nichts ausprobieren, habe nur noch Kadenzen und Arpeggien drauf, aber wie man zusammenspielt, weiß ich nicht mehr.

Jetzt wird zurückgelacht.

Habe heute erst behauptet, das Internet sei kaputt, behaupte ich ja alle nasdaqlang – sowas von kaputt, ich hätte nie gedacht, dass ihr mal vorbeikommt. Jetzt wollt ihr noch, dass ich es kurz mache – so kurz – zeigt auf zwei Zentimeter zwischen Daumen und Zeigefinger – damit ihr keine Zeit verliert.

Gut, das verstehe ich – dann lassen wir es mal für heute – zwei Zentimeter trennen dich und mich von meiner Version der Geschichte – die, wie nicht anders zu lesen von einem, dem man nichts mehr glaubt, die eines Dissidenten sein könnte, Dissidenten aber kämen aus totalitären Systemen, und nicht aus sich frei gebenden – lassen wir das.

Ach so, da ist noch etwas: ich habe es ja derzeit mit Persönlichkeitsrecht und Bewahren der eigenen Immunität und selbstverständlich auch mit dem Recht der anderen auf Unversehrtheit und Schutz – das aber, sage ich auch, gilt insbesondere für persönliche Dinge – wie ist es nun mit Leuten aus dem öffentlichen Leben? Haben sie auch ein Recht darauf, mit all ihren Geschichten durchzukommen und sie sogar so sehr gegen andere anzuwenden, dass nur die anderen Schaden nehmen und sie fein raus sind? Was da alles hochkommt, wenn man drüber nachdenkt.

Jetzt wird zurückgelacht.

Ich hab noch einen: es gibt so einige da draußen, konnte ich sehen, die erwarten tatsächlich, dass man ihnen hier druckreif etwas abliefert, damit sie es in ihr eigenes Buch übernehmen können – also wirklich: morgen ist Sonntag. Geht erstmal in den Wald und denkt darüber nach, was ihr hier sucht. Eine Sensation vielleicht? Einen der vielen, die verrückt geworden sind, weil die anderen aus ihm einen Verrückten machen wollten? Wenn ihr so wollt: das fällt alles auf euch zurück – glaubt mir: die Pilze da in dem Foto waren madig. Sprechen wir bitte von den schönen Farben in diesen tristen Wochen – und: bestellt dem Ludger einen schönen Gruß. Wahrscheinlich nächtigt er gerade wieder in seiner Athener Tiefgarage.

Natürlich, aber ja natürlich. Wäre es einfacher, ich würde mit der echten Version meiner Geschichte rausrücken, aber die würde mir auch keiner glauben, so ungeheurlich ist die, dann lieber gleich eine ungeheuerliche Geschichte, die einem niemand glaubt, erfinden, nicht wahr?

Scotty, beam me up – wo sollen wir anfangen? Wo? In diesem kleinen Lokal, aus dem ich herausgetragen wurde Anno 1997? Bild von der Bar – passend dazu Musik von Molvaer „Khmer“

Schmeicheleien
Schmeicheleien

Wo wir schon dabei sind …

 Blunatek – Trollsolo – Verhoovensjazz – Clemens Verhooven

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner